Freitag, 18. Mai 2012

Die Renner der Woche ...


Die Top 5 Posts der Woche




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Jessica Oldach, Tensistoria, zwei Leben

Jessica Oldach hat ein packendes Buch geschrieben. Beklemmend, blutrünstig und spannend. Wenn sie an ihrer Sprache feilt, kann das bei der Fortsetzung des Roman, die angekündigt ist, durchaus etwas Gutes werden.
Die junge Autorin aus Bingen hat Fantasie; sogar im Übermaß. Das macht ihren Roman Tensistoria zu einer durchaus eigenständigen Dichtung im Dickicht der Vampir-/Fantasy-Literatur. Viele junge Autoren neigen ja dazu, Mode hinterher zu hecheln und brav so zu schreiben wie ihre große (und erfolgreichen) Vorbilder das vormachen. Immer in der Hoffnung, ein Brosame des Ruhms und der Tantiemen möge auch auf ihr Elaborat abfallen. Da haben wir dann bald eine Fülle von Epigonen-Werken, die uns fast den Spaß an de Genre verderben.
 

Eigenständiger Vampirroman

Oldach ist anders. Ihr Vampirroman mag der Mode geschuldet sein, aber er weist starke eigene Züge auf. Damit hat sie etwas Eigenes geschaffen, ihre Seele zum Klingen gebracht und sicher so manchen Leser entzückt.
Die Heldin, eine künftige Polizistin, hat erst Gesichte, dann wird sie in die Anderwelt hineingezerrt. Das macht ihr schon in ihrer Welt das Leben ausgesprochen zur Hölle – sie sieht grauenhafte Dinge wird bedroht, verletzt, schwebt in Lebensgefahr – doch niemand glaubt ihr. Und das steigert sich zu einem Inferno, sobald sie die Parallelwelt erreicht. Nur mit Mut, Härte und Entschlossenheit hat sie überhaupt eine Chance.
Das hat wenig mit den weichgespülten Vampir-Knutsch-Käse zu tun, der gerade en Vogue ist. Dazu schreibt Oldach, die in der Ich-Form berichtet, viel zu trocken und direkt.
Das hat was und macht Spaß.

Härtere Arbeit an der Sprache

Auch, wenn sie ganze Themen des Genres variiert und fast schon persifliert - nur, um dann eine eigene Lesart draufzusetzen.
Was mir allerdings den Lesespaß etwas getrübt hat, waren viele sprachliche Lässlichkeiten und Schlampereien. Und so manche schiefen Bilder. Oft sind es nur Kleinigkeiten – aber wenn jemand „die Augen zuschlägt“, dann stellt sich mir der Kamm. Augen schließen wir - Türen schlagen wir zu. Oder „Das Geflatter der Straßenlaternen wurde immer heftiger“. Geflatter! Brrrr! Und dergleichen mehr.
Dem Roman merke ich deutlich an, dass er in seiner ersten Fassung von einer 15-Jährigen verfasst wurde – so jung war Oldach, als sie die erste Version schrieb. Die Weiterentwicklung einer Autorin verlangt es aber zwingend, mit allem noch einmal hart ins Gericht zu gehen, wenn sie später ihren Text mutig überarbeitet; und vor allem an der Sprache feilt.
Das ist hart, das ist wirklich Arbeit, aber ohne geht es auch nicht.
Zumindest hätte ich es von Lektorat des Noel-Verlages erwartet, so etwas zu tun.
Wie gesagt: Jessica Oldach hat Talent. Sogar viel Talent. Sie müsste nur vom Galopp der Fantasie in den Trab der sprachlichen Feinarbeit fallen; dann schreibt sie wirklich große Romane.

Jessica Oldach, Tensistoria, zwei Leben, Noel Verlag, ISBN 9783942802024, 14,90 Euro.

    
Jessica,Oldach:
Tensistoria - Zwei
Leben
Tensistoria - Zwei Leben
€ 14,90
bei eurobuch.neubuch

Donnerstag, 17. Mai 2012

Pressemitteilung: Eine Möhre für Zwei

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Sesamstrasse präsentiert: Eine Möhre für Zwei - Wolle und Pferd in ihren Paraderollen. In einer riesigen Möhre in einem Hamburger Hinterhof meistern Wolle und Pferd, mal mit Gemütlichkeit, mal chaotisch, ihren Alltag. Dabei erhalten sie Unterstützung von prominenten Gästen, z.B. ihrer guten Freundin Wolke Hegenbarth, dem "Tagesschau"-Sprecher Jan Hofer, Kapitän Axel Prahl, Feuerwehrmann Peter Lohmeyer, Koch Steffen Henssler und dem verrückten Erfinder Herbert Feuerstein. Im Mittelpunkt jeder 12-minütigen Folge steht ein Thema, das unmittelbar mit der Lebenswelt der drei- bis siebenjährigen Zuschauer verknüpft ist. Es geht um Angst vor dem Dunkeln, um schlechte Laune, Geheimnisse, Versprechen, Ungeduld und vieles mehr. Ein kurzer Einspielfilm zeigt, was Kinder über das jeweilige Thema denken und welche Erfahrungen sie damit gemacht haben.
  1. Die DVD mit der zusätzlichen Folge 5, „Nachts sind alle Schnecken grau!“  
  2. Hintergrundinformationen:

    - Bekannt aus der SESAMSTRASSE
    - Die Sesamstraße ist eines der erfolgreichsten Kinderprogramme im deutschen Fernsehen für Vorschulkinder
    - Titelsong von Nena gesungen
    - Zielgruppe: Kinder im Alter von 3-7 Jahren
    - Prominente Unterstützung durch Schauspielerin Wolke Hegenbarth, Koch Steffen Henssler, Comedian Herbert Feuerstein
    - Über eine halbe Million Kinder schauen pro Fernsehfolge zu
    - Durchschnittlicher Marktanteil bei Kindern zwischen 3 und 5 Jahren: 61,2% 
    Die Original DVD
    zur TV-Serie
    Das Original Hörspiel zur TV-Serie 


    Ab 0 Jahre
    UVP CD
    UVP DVD Spielzeit DVD Spielzeit CD Instore
    € 7,95
    € 10,99
    ca. 60 Minuten ca. 50 Minuten 08.06.2012
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    Folge 3: „Immer nur Möhren“
    EAN DVD EAN CD
    4029759079446
    4029759079460
    
    Folge 4: „Haarige Zeiten“ 
    EAN DVD 4029759079453 
    EAN CD 4029759079477 


  3. Pressemitteilung von: Carina Kaiser
    www.edel.com 
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Buchvorstellung: Helga Schittek, Damals im November

Helga Schittek: Damals im November

Zum Inhalt: Was sich auch immer an Allerheiligen 1970 im Wald bei Kell zugetragen hat: Johannes Ippendorf, das Opfer, hat dieses Geheimnis mit ins Grab genommen. Der Hauptverdächtige, Ippendorfs Freund, Werner Dresse wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen.
Doch Kriminalhauptkommissar a. D. Riemenschneider hat mit diesem Fall noch nicht abgeschlossen. Auch nach zwölf Jahren nicht! Aber dann führt im Oktober 82 eine Feier in Kell ihn und Dresse, der seit damals in Koblenz lebt, aufs Neue zusammen, und der Ermittler im Vorruhestand erkennt seine Chance. Doch ihm bleibt nicht viel Zeit, während irgendwo ein Mann lebt, der zahlen soll, damit ein anderer schweigt.

Erschienen ist dieser humorvolle Krimi bei Book s on Demand, Norderstedt
ISBN: 978-3-8448-0855-1

Leseprobe: Du erinnerst dich doch …, las er im Stillen und starrte einen Moment an die Zimmerdecke und dann wieder auf den Text.
Du erinnerst dich doch an Allerheiligen 1970? Dieser Tag wird wohl für immer in deinem Gedächtnis verhaftet bleiben. Und falls du vergessen haben solltest, was sich damals zugetragen hat, versichere ich dir, ich erinnere mich umso genauer. Du dachtest wohl, dich hätte niemand gesehen. Aber du warst damals nicht allein! Zu dumm, dass ich, oder besser wir, ich will es mal so formulieren, an jenem Tag ganz in der Nähe zu tun hatten und ein Päuschen einlegen mussten.
Die Polizei hat nie Verdacht geschöpft, und ich habe kein Wort über diesen Vorfall verloren. Aber momentan fehlt es mir ein wenig an Kleingeld. Und ich denke, du wirst einem alten Bekannten doch den Liebesdienst von 20.000 DM nicht ausschlagen. Davon gehe ich aus. Und falls dir die Summe zu hoch erscheint, kann ich dir versichern, sie ist es nicht.


Zur Autorin: Schreiben verändert jeden, der sich darauf einlässt. Egal, ob man damit seine Brötchen verdient oder es sich hierbei um ein liebgewonnenes Hobby handelt. Diese Meinung vertritt Helga Schittek.
Die Autorin, die lange Zeit in einem sozialen Beruf tätig war, wurde in Schmelz an der Saar geboren. Vor über dreißig Jahren schlug sie ihre Zelte im Kreis Ahrweiler auf, wo sie bis heute mit ihrem Mann lebt.
Nach einem Abstecher in die Lyrik und einigen Kurzgeschichten, erschuf sie ihren Protagnisten Heiner Riemenschneider: Kriminalhauptkommissar im Vorruhestand, wohnhaft in Kell in den frühen Achtzigern, der seine Fälle mitunter auf recht unorthodoxe Art und Weise löst.
Helga Schittek verzichtet in ihren Büchern auf Gewalt und großes Blutvergießen.

Ein weiterer Riemenschneider-Krimi ist ebenfalls im Handel. Der Wurzel Übel (BoD, ISBN:978-3-8391-2055-2).

Ihr Debütroman „Der Fall Karin Riemenschneider“ wird demnächst ein zweites Mal aufgelegt.
Infos zur Autorin unter: www.helga-schittek.weebly.com

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Mittwoch, 16. Mai 2012

Buchvorstellung: Hermann Scherm, Spines

Zusammenfassung
Der Berliner Biotech-Firma Gene Design Technologies ist es gelungen, den Code des Bewusstseins zu entschlüsseln. In Experimenten mit freiwilligen Probanden arbeiten die Neurophysiologen der Firma an der Entwicklung von Techniken zur gezielten Beeinflussung von Bewusstseinsinhalten. Als eine der Versuchspersonen in eine Psychose abgleitet und zum Mörder wird und kurz darauf Dr. Langer, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter von Gene Design Technologies, unter mysteriösen Umständen zu Tode kommt, wird deutlich, dass es nicht nur wirtschaftliche Interessen sein können, die Gene Design Technologies antreiben. Dr. Langers Tochter Sarah und Paul Mrozek, Wissenschaftler am Institut für Neurobiologie der Freien Universität Berlin, versuchen herauszufinden, was wirklich hinter den skrupellosen Experimenten von Gene Design Technologies steckt und warum Dr. Langer sterben musste. Inzwischen ist eine weitere Versuchsperson aus dem Programm vom Gene Design Technologies als tickende Zeitbombe in Berlin unterwegs. Wird es Sarah und Paul gelingen, den Wahnsinn zu stoppen? Ein Horrortrip durch Berlin beginnt.

Kurz-Vita

Hermann Scherm, Geboren 1952 in der Oberpfalz. Studium der Theaterwissenschaften und Schauspielausbildung in München. Seit den 1990er-Jahren als Autor und Ghostwriter tätig: Romane, Theaterstücke, Hörspiele, Features, Dokumentarfilme.
Spines ist die erste Veröffentlichung des Autors im Rahmen von Kindle Direct Publishing.

Leseprobe
Der riesige Flachbildschirm im Schaufenster zeigte in extremer Nahaufnahme das Gesicht des SPD-Vorsitzenden. Es wirkte wie eine abstoßende Fratze. Warum nur merkte niemand, wie korrupt dieser verdammte Ex-Lehrer und Möchtegernpolitiker war? Mark spürte Hass und unendliche Hilflosigkeit. Er wusste nicht, wie er die Kohle für die nächste Woche auftreiben sollte, und diese Politikerfratze versuchte, ihm zu erklären, dass alles nur ein Problem der Stimmung sei. »Die Lage ist besser als die Stimmung!« Scheiße!

Geblendet schloss er die Augen

Er drehte sich um und sah direkt in den gleißenden Halogenstrahler eines Baukrans. Geblendet drehte er den Kopf zur Seite und schloss die Augen. Als er sie wieder öffnete, sah er, dass er auf dem Alexanderplatz gelandet war. Komisch, das war nicht sein Weg, der Alex lag nicht auf seinem üblichen Nachhauseweg, nicht im Geringsten. Wie immer lungerten allerlei Verlierer der Gesellschaft herum, Außenseiter, Harz IV Junkies, Sozialhilfeempfänger, Verwirrte und Möchtegernpropheten, die nach ein paar Dosen Becks die Scheiße aus ihrem Hirn quetschten und sie zur Offenbarung erklärten. Der Papierkorb neben ihnen quoll über vor Dosen.

Eine einsame Gestalt

Mark schlich sich seitlich an der Gruppe vorbei und überquerte den Platz. Eine einsame Gestalt am Rand des Platzes zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Es handelte sich um einen elegant gekleideten, hochgewachsenen Mann von Anfang Fünfzig, der eine schwere Aktentasche über der linken Schulter trug, die in ihrer Unförmigkeit so gar nicht zu seiner sonstigen Erscheinung passte. In der rechten Hand schwenkte er wie ein Prediger ein Buch, energisch gegen den Himmel gereckt, obwohl weit und breit niemand war, der diese dramatische Geste hätte registrieren können.

Verdammt zu sterben

Mark wurde neugierig und ging langsam auf den Mann zu. Wenige Schritte vor ihm blieb er stehen und wartete. Aber zu seinem Erstaunen reagierte die Gestalt nicht auf seine Anwesenheit. Minutenlang stand Mark da und starrte den seltsamen Prediger an.
»Wir alle wollen leben mit ungeheurer Gier, aber wir alle sind verdammt zu sterben. Und je größer unsere Gier, desto unwiderruflicher unsere Verdammnis. Die ganze Menschheit wird vom Erdboden verschwinden bis die Weissagung der großen Schwester erfüllt ist.« Der Prediger hob das Buch in seiner Rechten zum Nachthimmel. Und Mark fühlte, dass seine Worte nur für ihn bestimmt waren. Er konnte sie ganz tief in seinem Inneren spüren.

Wenige Auserwählte

»Dann wird Gerechtigkeit sein und sie wird herrschen. Es werden wenige Auserwählte sein, die bestimmt sind, ihren Weg zu bereiten. Meine Augen sehen sie bereits, denn sie sind unter uns und ihre Tage werden kommen.« Der Prediger ließ die Worte verklingen. Dann kam er mit fast tänzerischen Schritten auf Mark zu, öffnete seine Aktentasche und gab Mark eine Visitenkarte in die Hand. »Ich hab dich gehört, vorhin. Ich verstehe deine Wut. Aber bald wirst du begreifen, dass diese Wut deine Kraft ist. Wenn du mal mit jemandem reden willst, der so denkt wie du, dann schau vorbei!«
Mark blickte voller Erstaunen auf die Visitenkarte. In diesem Augenblick wandte sich der Prediger von ihm ab und verschwand mit eiligen Schritten in der Dunkelheit. Mark drehte das Kärtchen ins Licht. »Dr. Peter Nueger« stand in der Mitte der Karte und darunter klein gedruckt: »If they’re running and they don’t look where they’re going I have to come out from somewhere and catch them. That’s all I’d do all day. I’d just be the catcher in the rye.«


Hermann Scherm, Spines, Roman

https://www.amazon.de/dp/B006XG0HFS 

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Dienstag, 15. Mai 2012

Buchvorstellung: James Henry Burson, Du hast keine Zukunft, nutze sie


Du hast keine Zukunft, nutze sie, Teil 1. Alles ist so wie es ist – bis man etwas daran ändert. Von James Henry Burson,   ISBN 978 – 1 – 4710 – 8674 - 8.

Ein bisschen über die Seele reden…

Was ist das Innerste? Dinge, die man nicht verraten darf.
Wenn Tränen sich anfühlen, als würde jemand dein Gesicht streicheln.
Wenn nur das pulsierende Blut in deinen Adern dich wissen lässt, dass du noch lebst.
Wenn dir die Anstrengung den letzten Sinn raubt.
Dann überlässt du dich dem kleinen Tod.
Schlafen, nur noch schlafen.
Wenn das Erwachen dich so erschreckt, dass du dich darüber enttäuscht wieder in die Kissen sinken lässt.
Wenn die Trauer dich immer und immer wieder überkommt.
Wenn die Einsamkeit zur Erfüllung wird.
Dann gibt es dich schon nicht mehr.
Sterben ist der letzte Schritt.
Wer sich umbringt, ist in Wahrheit schon lange tot.
Alles ist so wie es ist – bis man etwas daran ändert.

Es begann wie ein Traum…

1953 August, bedeutet, dass ich ein Kind der Liebe bin. Neun Monate zuvor war Weihnachten und Sylvester. Es gibt keine schönere Zeit, ein Kind zu zeugen, als zum Fest der Liebe.
Viele Jahre hörte ich auf den Namen Jens und danach einige Zeit auf den Namen Tschens. Je nachdem wo ich mal wieder war, hieß ich mal so, mal so. Namen wurden einem gegeben, man konnte sie sich nicht aussuchen. 
Dass zu diesen Vornamen auch ein Nachname gehörte, hatte mir keiner erklärt und da ich es nicht anders kannte, vermisste ich auch nichts.
Ich hätte wohl besser vorher kommuniziert, dass ich auf die Welt kommen möchte, statt mich ungefragt in meine Mutter einzuschleichen. "Hättest du mal vorher gefragt," sagte mir mal jemand. Ich nahm das wörtlich. Da war ich noch sehr klein und übernahm die Dinge so, wie sie mir erklärt wurden. Mit dieser Erklärung übernahm ich auch die Konsequenz und die Schuld, die ich  durch meine eigenwillige Entscheidung auf die Welt zu kommen auf mich geladen hatte. Folglich tat mir meine Mutter leid. Ich zwang sie durch mein Verhalten Dinge zu tun, die für sie und mich weitreichende Konsequenzen haben sollten. 

Ich übernahm die Schuld

Selbstverständlich übernahm ich auch die Schuld, die meine Mutter auf sich lud, nur weil ich auf die Welt kommen wollte. Dass sie mich und meine Eigenmächtigkeit nicht ertrug, zeigte sich in ihrer Reaktion. Ob mein Vater überhaupt weiß, dass ich mich an ihm vorbei, auf die Welt geschlichen hatte, kann ich nicht sagen. Ich kann aber sagen, dass das Wissen um die Tatsache, dass ich auch ihn benutzt hatte, ein Teil meines schlechten Gewissens war. Ich fürchtete seine Rache. Die Angst davor quittierte ich mit Verdrängung. Das musste ich sehr lange Zeit so gründlich getan haben, dass mir erst im Alter, so Mitte zwanzig, bei einem spontanen Gedanken an ihn, die Erkenntnis regelrecht in den Schoß fiel, dass ich nie wirklich an ihn gedacht hatte. Ich weiß noch genau, dass ich in einem Bahnhof auf einen Zug wartete. Irgendwie, völlig in Gedanken versunken, fiel es mir dabei ein. Stimmt, da gibt es ja noch einen Vater… So arbeitete scheinbar die Seele.

Im Krankenhaus

Meine Mutter lag mit mir in einem Krankenhaus und musste wohl ziemliche Kämpfe ausgestanden haben, wie ihr Problem zu lösen sei. Immerhin, sie hätte mich sicherlich auch abtreiben lassen können, aber irgendeine Verbindung, die sie wohl doch zu mir aufgebaut haben musste, ließ sie die Zeit der Schwangerschaft trotz aller inneren Widerstände ertragen. Das muss eine schwere Zeit für sie gewesen sein. Die Entscheidung zwischen allen Möglichkeiten fiel also erst einmal zu meinen Gunsten aus. Zu weit ging die Liebe allerdings nicht. Die Strafe folgte auf dem Fuß – sagt man.
Konsequenterweise gab mich meine Mutter wenige Tage nach meiner Geburt in einem Säuglingsheim ab. Ich war jetzt auf der Welt und was ich bis dahin manipulieren konnte, hatte ich mitentschieden. Nun entschied jeder für sich. Nicht alles was man sich wünscht, geht in Erfüllung.

Der Vater - Amerikaner?

Noch im Krankenhaus füllte meine Mutter ein Formular aus, in dem sie Angaben zum Familienstand eintrug. Sie erhielt eine Geburtsurkunde, in der sie ihren Namen mit Hazel Stewart und den meines Vaters mit Charles angab. 
Er sei Amerikaner und stamme aus Norfolk Virginia, so stand zu lesen. Ich selbst trug in dieser Urkunde den Namen James Henry, was ich erst sehr viele Jahre später erfahren sollte, als ich für einen Urlaub im Ausland einen Pass benötigte. 
Leider hatte meine Mutter mir kein Amulett um den Hals gehängt, das etwa auf eine Herkunft aus herrschaftlichem Hause hätte schließen lassen, so dass ein möglicher Entdecker des Amuletts in ehrfürchtigem Staunen hätte ausrufen mögen: " Mein Gott, das ist ja der Sohn des so und so!"
Stattdessen wurde in der Kriminalakte – wegen Verletzung der Unterhaltspflicht- erwähnt, dass Miss Stewart nicht nur diesen, sondern etliche Aliasnamen hatte, um ihren Aufenthaltsort zu verschleiern. Die erfundenen Namen klangen längst nicht so schön, wie die in der Geburtsurkunde genannten. Sie muss über einige Kreativität verfügt haben und war wohl äußerst findig im Verschleiern ihrer wahren Identität, so dass sie bis heute unentdeckt blieb. Ihr letzter bekannter Wohnort war somit eine Kunstschule in der Landeshauptstadt. 

Die Phantasie 

Die Kriminalakte erwähnt, dass sie zuletzt auf Modeschauen in einem namhaften Cafe dieser Stadt gesehen wurde. Ob als Mannequin oder Zuschauerin wurde nicht ausgeführt. 
Sie hatte angegeben, mein Vater sei Kurier der Armee. 
Hätte ich all das als Kind gewusst, wären  in meiner Phantasie sozusagen die Gäule mit mir durchgegangen. Phantasie hatte ich genug. Die Geschichte hat doch was, so wie in der Serie der Kurier des Zaren. Da gab es einen streitbaren Soldaten, der durch das Überbringen geheimer Depeschen unter Einsatz seines Lebens sein Land mehrfach rettete. Selbst die Königin, die ihn zum Ritter schlug, hätte während der Zeremonie eine Gänsehaut bekommen. Das hätte mir immerhin eine Ahnung gegeben, welch immense Bedeutung mein Vater gehabt haben musste. In meiner kleinen Armee wäre er als herausragender Kämpfer für Gerechtigkeit und die Verteidigung unser aller Ehre in die Geschichte eingegangen. 
Mir hätte auch ein Vater, wie der von Pipi Langstrumpf, genügt, der nur alle Schaltjahre da war, von dem sie aber immerhin wusste, wie er aussah, dass es ihn gab und dass er bei ihr war, wenn sie ihn brauchte. 
Stattdessen gab es bei mir an dieser Stelle nur ein schwarzes Loch und selbst dessen Existenz kannte ich nicht.
Monate nach meiner Erkenntnis im Bahnhof bezüglich meines Vaters, schlug ich aus einer weiteren Eingebung heraus einen Atlas auf, um etwas zu überprüfen. 

Zu viele Zufälle

Weil doch mein Vater angeblich aus Norfolk Virginia stammte und mir plötzlich einfiel, dass in Virginia der größte, (oder einer der größten) Militärhafen Amerikas beheimatet ist und er Kurier der Armee sei, wollte ich mir die Sache genauer ansehen. Seltsam.
Es waren im Atlas bei Norfolk Virginia drei große Buchten aufgemalt. Eine nannte sich Charles Bay, die andere James Bay und die dritte hieß Henry Bay. Schau einer an! Hatte sich etwa Hazel Stewart in dem Atlas wie in einem Katalog bedient, um hier etwas zu kreieren? War der schöne Name Stewart einem englischen Königshaus entliehen? Auf eine Art waren mir das etwas zu viele Zufälle. Auf der anderen Seite war ja meine Mutter in Bezug auf Namen scheinbar äußerst kreativ. 
Ich kann mir bis heute nicht vorstellen, dass man einen Atlas aufschlägt, um seiner Familie Namen zu geben. Es musste doch mit dem Teufel zugehen, wenn nicht irgendetwas an dem stimmen würde, was meine Mutter an Angaben gemacht hatte. Waren die Namen oder die Ortsangaben ein Hinweis, die das fehlende Amulett um meinen Hals ersetzen sollten? Ich glaube, jeder andere hätte jetzt losgelegt, um etwas über die Identität der Personen heraus zu finden. So zumindest wäre das der normale Reflex. Natürlich dachte ich auch darüber nach, aber eine zutiefst verinnerlichte Gewissheit darüber, wie meine Mutter zu mir stand oder besser nicht stand, bremste mich wohl aus. Vermutlich spielte da eine unbestimmte Ahnung mit. 

Wie die Hexe mit der Kugel

Irgendwo in mir sagte eine Stimme: "Du bist mit deiner Geburt schon einmal zu weit gegangen. Pass auf, dass es dich beim zweiten Mal nicht noch härter trifft." 
Mit der Eingebung, den Atlas zu öffnen, war wie in einem Kino ein Vorhang aufgegangen. Nachdem ich gesehen hatte, dass irgendeine der Informationen möglicherweise die Realität berührte, ging der Vorhang wieder zu. Wie eine Hexe, die dich in ihre Kugel schauen lässt und nach wenigen Bildern entscheidet die Kugel wieder zu verhüllen. Was hätten die Augen sehen können? Das wusste in dem Fall allein die Hexe. 
Dir war der Blick verboten und über die Kugel bestimmte nur sie.
Nur einmal -da war ich auch schon längst erwachsen- habe ich in dem Säuglingsheim, in dem sie mich abgegeben hatte, nachgefragt, ob es noch Zeitzeugen gab. 
Zeitgleich wurde mir der Grund für meinen Widerstand gegen diese Nachforschungen etwas klarer. Ich kam mir schlicht schäbig vor, in dem Leben meiner Mutter herum zu schnüffeln, das sie mir doch unmissverständlich - und klar definiert- entzogen hatte. 

Die alte Nonne wusste Bescheid

Eine alte Nonne wusste mehr. "Warum kommen sie erst jetzt? Ich weiß noch sehr genau, dass ich sie entgegen genommen habe. Sie lagen im dritten Körbchen von links. Ein ganz hübsches, zartes Baby. Ihre Mutter hat sehr geweint und uns versprochen wieder zu kommen. Mehr kann ich ihnen leider nicht sagen…"Ich bedankte mich bei ihr und ging schneller als ich eigentlich wollte meiner Wege. 
Das schlechte Gefühl wurde ich erst einige Zeit später los, als mich mein Umfeld wieder in Anspruch nahm.
Tatsächlich hätte ich bis zu diesem Zeitpunkt gar keine Zeit gehabt, um Nachforschungen anzustellen, da die praktische Seite des Lebens alles andere von mir forderte, als mich um die Existenz einer Person zu kümmern, die nicht nur mich, sondern auch sich selbst verleugnete. So sah ich das Ganze zumindest rational. 

Die Orte wechseln und mit ihnen die Bilder…

Ein See in einem Park mit Enten, die ich mit jemandem, der mich an der Hand führte, fütterte. Es gab in einem Wald eine gelbe Bahn, die einen Berg hinaufgezogen wurde. Damals glaubte ich es sei ein Bus.
Ich erlebte mich noch an einem Sommertag mit mehreren Kindern vor einer Haustüre spielend, bis ein Ereignis dem ein abruptes Ende setzte. Alles ging sehr schnell. Meine Wohnstätte befand sich zu dieser Zeit in einer Siedlung mit gleich aussehenden, ziemlich langweiligen, grauen Siedlungs-häusern. Vor einem dieser Häuser befand ich mich, wie gesagt, mit anderen Kindern, als jemand auf mich zukam, mich am Arm packte, hochhob und in ein Auto verfrachtete. Ich weiß noch, dass es ein ziemliches Geschrei und einen ziemlichen Tumult vor der Haustüre gab. 
Die rüde Vorgehensweise quittierte ich ebenfalls mit Geschrei, doch alles Wehren half nichts. Ein Entkommen war nicht möglich. Sekunden später befand ich mich auf dem Rücksitz eines Autos. Das Wohnviertel entschwand aus der Rückscheibe und damit auch ein Abschnitt meines Lebens. Das fahrende Auto und die vorbeifliegende Landschaft blieben mir in Erinnerung.
Ich fand mich in einem Raum wieder, auf dessen Tisch ein Buch lag. Dieses Buch nahm mich völlig in Beschlag, da sich beim Umklappen der Seiten deren Inhalt dreidimensional heraus bewegte. Da gab es einen ganzen Bauernhof, der mir entgegenkam, wenn ich eine Seite umdrehte. Die Tiere und Menschen schienen in dem Buch zu laufen. Was die wohl machten, wenn das Buch zugeklappt war? Das Buch habe ich mir gemerkt.
So leicht würde ich allerdings nie mehr zu bestechen sein.

Besinnlichkeit…

Was ich mir nicht gemerkt hatte war, auf welchen Wegen ich nun zu dieser zweiten Pflegefamilie kam. 
Da gab es einen Mann, eine Frau und einen Jungen, der älter war als ich. Wir wohnten in einer Art Bauernhaus, aber Vieh konnte ich außer einem kleinen Schwein in einem Stall im Hof nicht sehen. Wir befanden uns meist in einer kleinen, durch einen Kohleofen beheizten, Wohnung. Ich schlief mit dem Jungen in einem Zimmer. 
Damit man in der Nacht nicht über den Hof musste, um auf eine Art Plumpsklo im Hof zu kommen, gab es einen Nachttopf unter dem Bett. Das Plumpsklo bestand aus einem zusammengezimmerten Kasten in einem winzigen Anbau des Gebäudes, der auf einem Lehmboden stand. Auf dem Kasten gab es ein Brett mit einem Loch, auf das man sich zur Erledigung des Geschäfts draufsetzte. Was kam fiel in dieses Loch und manchmal spritzte auch mal was hoch. Das war allerdings nicht das einzig Unangenehme. 

Die Haut reißt vom Hintern

Im Winter klebte man regelrecht auf diesem Brett fest und man musste ganz langsam tun, damit sich nicht die Haut vom Hintern löste. Manchmal - in der Eile - vergaß ich das. Der Schmerz lehrte mich jeweils, die physikalischen Gesetze zu beachten.
Es ging auf Weihnachten zu. Die kleine rundliche Frau schaute unentwegt in ihrem Schwarz-weiß-Fernseher Eiskunstlauf und strickte dabei. Manchmal nahm sie an mir Maß, um sogleich weiter zu stricken. Es ging ruhig und beschaulich zu. Sie sprach nicht viel. Den Mann sah ich nur am Abend. Ein großer Mann mit großen Händen. Ich bekam über ihn zu hören, dass er Häuser baute. Der Junge kam mittags aus der Schule oder aus dem Kindergarten. 
Mit ihm zusammen, spielten wir mit Bauklötzchen oder kleinen Autos. Ab und zu kickten wir auch mit einem bunten Ball im Hof. 
Manchmal besuchte ich das kleine Schwein in seinem Stall. Den Geruch des Stalls und des Schweinchens liebte ich. Wie bei einem Eis mit heißer Schokolade verschmolz die kalte Winterluft mit der warmen Luft des Strohs und der Wärme des Schweinchens. Ich genoss das. 

Versteht mich das Schwein, wenn ich grunze?

Ich war im Glauben, das Schwein verstehe mich, wenn ich auch grunze. So grunzten wir immer mal eine Runde miteinander und ich streichelte es hinter den Ohren, bevor ich wieder in die Wohnung ging. Es schien ihm zu gefallen.
Heiligabend musste ich mit dem Jungen in der Küche warten, bis das Wohnzimmer zur Bescherung dekoriert war. Dort stand eine elektrische Eisenbahn und auf einem Stuhl lag ein kleines Paket, das ich bekam. Es war – wie nicht anders zu erwarten - ein Pullover. 
Der Junge bekam die Eisenbahn, die er aber nur anfassen durfte, wenn der große Mann da war. Er maulte deswegen ständig herum, aber die Frau nahm das mit Gleichmut hin.
In dieser Zeit schien mein wichtigstes Organ die Nase zu sein. Den Rauch der verbrannten Kohle, der sich über die Schornsteine in der kalten Winterluft über dem ganzen Ort verteilte, liebte ich mindestens so, wie den Schweinestall. Noch heute erinnere ich mich bei dem Geruch von Kaminschornsteinen an dieses kleine Dorf. Je nachdem was da verbrannt wurde, roch der Rauch immer ein bisschen anders. Der Geruch des Plumpsklos passte da nicht ganz ins Bild. 
Ich schlief mit dem Jungen in einem Zimmer im Erdgeschoß zur Straße hin. Nachts waren die Läden geschlossen und ein winziger Lichtstrahl drang durch eine kleine Ritze ins Zimmer. Manchmal klopfte jemand in der Nacht von draußen dagegen, was mir immer einen furchtbaren Schreck einjagte. Ich konnte dann immer erst nach gewisser Zeit einschlafen. 

Mit Märchen-Figuren

Wenn ich mich auf den dünnen Lichtstrahl aus der Ritze des Fensterladens konzentrierte, ging es meist schneller.
Dem Winter folgte naturgemäß der Frühling und es wurde ein bisschen wärmer. Zumindest klebte der Klodeckel nicht mehr am Hintern. Eines Tages fuhren wir in einem großen weißen Auto in einen Freizeitpark. Da standen kleine Häuschen mit Figuren, die verschiedene Märchen darstellten. Aus kleinen Lautsprechern hörte man die verschiedenen Stimmen der Figuren. 
Wenn wir uns die Zeit dazu genommen hätten, würden wir die ganze Geschichte des Märchens mitbekommen haben. Wir gingen aber vom einen Häuschen zum anderen und erfreuten uns am optischen Genuss der verschiedenen Darstellungen. Wir gelangten nun bis zu dem Haus von Rotkäppchens Großmutter. Dort standen wir vor einem Gatter mit einem lebendigen Fuchs, der zwischen einigen Gänsefiguren hin und her lief. "Igitt, der stinkt ja," rief der Junge neben mir. 
Ich bemühte meine Nase und musste ihm unweigerlich Recht geben. Der Geruch war unangenehm.

Ein Mann schlägt zu

Der Mann, der links von mir stand und mich bis dahin an der Hand gehalten hatte, ließ mich los. Ich sah noch seine große Hand an meinem Gesicht vorbeifliegen und die traf dann das Gesicht des Jungen.  Aus der Nase des Jungen floss Blut! Er fing an zu schreien und ich tat es ihm gleich. 
"Haltet den Mund", hörte ich den Mann sagen. Das ging natürlich nicht sofort und so brüllten wir im Duett noch ein bisschen weiter. Die Frau kümmerte sich um die Nase des Jungen und versuchte uns zu beruhigen. Der Mann drängte uns aus dem Park und die Beschaulichkeit fand ihr Ende.
Vor dem Park sprach der Mann den Jungen noch einmal an. Da kam dann ein kurzes: "Du weißt warum." 
Ab sofort hatte ich Angst vor diesem Menschen. Abends, wenn der Mann nach Hause kam, fing ich an zu weinen. Ich suchte Trost bei meinem Schweinchen. Gemeinsam grunzen beruhigt ungemein. Sobald ich den Mann erblickte, fand ich mich hinter dem Sessel wieder, in dem die Frau saß. Irgendetwas musste sich noch ereignet haben. 
Ich hatte das unbestimmte Gefühl, dass ich etwas angestellt hatte, woraufhin Konsequenzen gezogen wurden. Kurze Zeit darauf war meine Zeit in dieser Familie zu Ende. Ich saß wieder in einem Auto. 
Während der Fahrt hatte ich immer wieder den Satz im Ohr, den der Mann gesagt hatte. "Du weißt warum."
Ich habe mir in Folge das Hirn zermartert, was ich getan hatte, dass die Frau und der Mann mich nicht mehr wollten. Ich hätte  es doch wissen müssen. Ich kam nicht dahinter. Ich wollte mir merken wie dieses Auto aussah, das mich dauernd holte.
Ich war im Glauben, dass es auf der ganzen Welt herumfuhr, böse Kinder einfing um sie an einen Ort zu bringen, wo sie sich bessern sollten. Ich wusste nach der zweiten Fahrt, dass ich sehr böse sein musste, weil es so oft wegen mir kam. Ein großes weißes Auto mit schwarzem Dach. Das holte die bösen Kinder.

Trauma kommt nicht vom Träumen…

Ich war etwa vier Jahre alt. Es ging eine lange Straße einen Hang hinauf. Wer mich in dem Heim empfing, ging in den Gedanken um das Auto völlig unter. Irgendwann standen wir davor. 
Im Hintergrund des Hauses war ein kleines Dorf zu erkennen. Das Heim war das erste Gebäude dieses Ortes. Es war im Schwarzwaldstil gebaut, mit Blumenkästen ums Haus. Durch seinen Standort auf der Anhöhe war es für alle weithin sichtbar. 
In seinen drei Stockwerken waren unten links ein Schuhraum der vom Hauseingang her offen war, mehrere Waschbecken und ein angrenzender Duschraum mit ca. fünfundzwanzig Duschen und, entlang der Wand zudem Waschbecken, in gleicher Anzahl. Rechts des Eingangs war eine Küche. Der erste Stock hatte einen großen Speisesaal mit Parkettboden, der auch als Gruppenraum diente. 
Ein separates Fernsehzimmer, sowie die Privatwohnung des Heimleiters.

James Henry Burson

Die Mutter „entledigte“ sich  meiner, fünf Tage nach der Geburt in einem Säuglingsheim. Mutter und Vater unbekannt – keinerlei  verwandtschaftlichen Verhältnisse. nach ihr, – ohne Erfolg.

Da sie einen Amerikaner als Vater angab, fahndeten Interpol  und die deutsche Polizei.

Man geht davon aus, dass sämtliche von ihr abgegebenen Personenstandsdaten frei erfunden sind.

Insgesamt  fünf Kinder – und Jugendheime,  drei Pflegefamilien  „kümmerten“ sich um mich.

Ein kurzer Knastaufenthalt in einer Jugendstrafanstalt  und -  als letzte Station eine  halbgeschlossene Erziehungsanstalt  -  bildeten das Ende der „Fürsorgemaßnahmen“.
Zum Erstaunen aller, und dem Entsetzen einiger, beschloss ich damals, Erzieher zu werden.
Ich kenne kaum jemanden, der mir  seinerzeit  eine Chance gegeben hätte, woraus der Titel des Buches „Du hast keine Zukunft, nutze sie“ resultiert.
Mit Ende sechzehn (ich bin 1953 geboren), also etwa 1970 begann ich ein Praktikum, das mir mein Vormund besorgt hatte.

Die Abschlüsse

Ich begann danach (die Abschlüsse der Hauptschule und der mittleren Reife hatte ich erfolgreich abgeschlossen)  die Ausbildung zum Erzieher, die ich 1973 abschloss.
Bis 1985 arbeitete ich (zuletzt in der Schweiz) als Erzieher in verschiedenen  zumeist therapeutischen Einrichtungen. 
Parallel zu allem besuchte ich Ausbildungskurse in Gestalttherapie, Transaktionsanalyse und Primärtherapie.
Mit dem immer öfter  aufkeimenden Gefühl, mich noch immer „in einem Heim zu befinden“, nahm ich mehr und mehr Abstand zu meiner Arbeit.
Ich gab den Beruf auf.
Einige Jahre betrieb ich einen Autohandel (wohlgemerkt nur mit Neuwagen), entwickelte mit einem Kollegen einen „Hi-Fi-Tisch“ und widmete mich mehr und mehr dem Hausbau.
Seit 1989 saniere ich alte (zumeist denkmalgeschützte Gebäude) und lebe davon.
Nebenbei schrieb ich die Bücher „Du hast keine Zukunft, nutze sie“  Teil 1 und 2.
Bücher gibt es hier:

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